1605 und 1607 erschienen zwei mit 'Gradualia' überschriebene Bände mit lateinischer Kirchenmusik vom großen Komponisten William Byrd. Mehrstimmige Mariengesänge daraus hat das Vokalensemble The Cardinall's Musick neu für das Label Hyperion aufgenommen.
Heute können Sie zwei Veröffentlichungen mit Alter Musik kennen lernen, englische Vokalmusik steht dabei italienischer und deutscher Instrumentalmusik gegenüber. Am Mikrofon begrüßt Sie Rainer Baumgärtner.
Für das Label "audite" hat das Ensemble Les Cornets Noirs unter dem Titel 'Echo e risposta' auf den Emporen der Klosterkirche Muri in der Schweiz virtuose Instrumentalmusik eingespielt, die zumeist in den 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Ein wenig früher, in den Jahren 1605 und 1607, erschienen zwei mit 'Gradualia' überschriebene Bände mit lateinischer Kirchenmusik vom großen englischen Komponisten William Byrd. Mehrstimmige Mariengesänge daraus hat das Vokalensemble The Cardinall's Musick neu für das Label Hyperion aufgenommen. Vor 20 Jahren als Studentenchor gegründet, zählt The Cardinall's Musick inzwischen zu den führenden englischen Gesangsformationen im Bereich der Alten Musik. Ihr Gründer und Leiter Andrew Carwood ist daneben auch auf dem prestigeträchtigen Posten des Musikdirektors an der Londoner St.Paul's Cathedral gelandet. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung hat das Ensemble ein beeindruckendes Projekt abgeschlossen, die Gesamtaufnahme aller lateinischen Kirchengesänge William Byrds auf zwölf CDs.
1) William Byrd, Beata es, Virgo Maria (Offertorium / Mariae Geburt)
Dies war der Gesang zur Gabenbereitung "Beata es, Virgo Maria-Glücklich bist du, Jungfrau Maria" von William Byrd. Mit Byrd hat sich das Vokalensemble The Cardinall's Musick dem bedeutendsten englischen Komponisten der Spätrenaissance zugewandt. Zeitweilig wirkte er am englischen Königshof und schrieb Musik für den anglikanischen Gottesdienst. Doch seine lateinischen Werke aus der zweiten Hälfte seines Lebens lassen erkennen, dass er ein standhafter Katholik war, der auch in einer Zeit von Repressalien gegen Katholiken seinem Glauben treu blieb. Die meist kurzen Werke aus seinen beiden 'Gradualia'-Bänden konnten als erbauliche Gesänge für den Hausgebrauch benutzt werden (und waren von daher für die Zensur unangreifbar), man konnte sie aber auch in heimlichen katholischen Gottesdiensten einsetzen. The Cardinall's Musick hat die durch Prägnanz und rhythmische Vitalität bestechenden polyphonen Werke für die Einspielung nach Themen gegliedert. Auf der neuen CD präsentiert das Ensemble Kompositionen für drei Kirchenfeste zu Ehren der Jungfrau Maria.
2) William Byrd, Benedicta et venerabilis (Graduale / Mariae Geburt)
Dies war "Benedicta et venerabilis", ein Gesang zur Gabenbereitung aus der Messe am Fest Mariae Geburt. Englische Vokalensembles im Bereich der Alten Musik hatten früher meist den Ruf, technisch hervorragend zu sein, dabei aber oft den emotionalen Moment der Musik außer Acht zu lassen. Die vielfach preisgekrönte Cardinall's Musick überzeugt hingegen mit einem empfindsamen und variablen Stil, der die meisterhaften kleinen Kompositionen William Byrds voll zur Geltung kommen lässt. Dies hört man auch bei seiner Teilvertonung des "Ave Maria- Gegrüßet seist du, Maria", dem bekanntesten Mariengebet.
3) William Byrd, Ave Maria (Offertorium / Mariae Verkündigung)
Zu Lebzeiten William Byrds um 1600 fand der Übergang von der Renaissance zum Barock statt und eine zukunftsweisende Entwicklung im Bereich der Musik war dabei die Emanzipation der Instrumental- von der Vokalmusik. Besonders prägnant ereigneten sich diese Entwicklungen in Italien und das Ensemble Les Cornets Noirs lässt diese auf seiner neuen CD mit markanten Beispielen nachempfinden-zusätzlich verdeutlichen einige deutsche Kompositionen, wie die italienischen Impulse hierzulande aufgenommen wurden.
'Echo e risposta-Echo und Antwort' lautet der Titel der CD, der auf zwei typische Kompositionstechniken der Epoche um 1600 Bezug nimmt. Beim Versuch, effektvolle und gut strukturierte instrumentale Werke zu schaffen, orientierten sich die Musiker damals oft noch an Phänomenen der Vokalmusik wie Echos oder dem abwechselnden Einsatz verschiedener Instrumentalgruppen. Giovanni Battista Riccio hat in seiner 'Canzon a due in echo' genau die Art von Echowirkung kopiert, wie sie zu seiner Zeit in Madrigalen und Motetten beliebt war.
4) Giovanni Battista Riccio, Canzon a 2 in echo (Venedig 1614)
Seinen Höhepunkt erreichte das Dialogisieren mehrerer Instrumental-'Chöre'-in Anlehnung an ähnliche Verfahren in der Vokalmusik-bei Giovanni Gabrieli auf den Emporen von San Marco in Venedig. Die nach den (schwarzen) Zinken, den Hauptinstrumenten des 1997 von Gebhard David und Frithjof Smith gegründeten Ensembles, benannten 'Les Cornets Noirs' gingen für die Aufnahme ihrer neuen Platte ebenfalls auf die Emporen einer Kirche. Die barocke Klosterkirche Muri im Schweizer Kanton Aargau besitzt zwei Lettnerorgeln aus dem Jahr 1743, die sich für das Projekt anboten. Um es zu realisieren, wurden extra zwei Zinken-hölzerne Instrumente mit Kesselmundstück-in der Stimmtonhöhe der beiden Emporenorgeln von 425 Hertz hergestellt. Die folgende Sonate von Alessandro Stradella stellt zwei Instrumentalchöre gegenüber-einmal Violinen, einmal Zinken und hinzu gesellt sich jeweils eine Orgel.
5) Alessandro Stradella, Sonata a 4. Due violini, e due cornetti divisi in due chori
In der Klangverschmelzung der modifiziert mitteltönig gestimmten Empororgeln von Muri mit den übrigen Instrumenten ist Les Cornets Noirs eine ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Aufnahme gelungen, an der Freunde frühbarocker Musik nicht vorbeigehen können. Klangpracht und harmonische Reizpunkte sind ebenso vorhanden wie virtuoses Spiel, hervorragender Aufnahme-Sound und eine ausführliche Dokumentation im Booklet.
6) Johann Staden, Sonata prima. 2. Cant: & I.Baß. (Nürnberg 1643)
Mit der Sonata prima des Nürnbergers Johann Staden-ein Beispiel für den Einfluss der italienischen Musik auf den Norden-ging die Sendung 'Die Neue Platte' im Deutschlandfunk zu Ende, heute mit Alter Musik aus der Zeit um 1600. Die CD 'Echo e Risposta' mit Les Cornets Noirs, erschienen bei audite, wird in Deutschland von Edel vertrieben. Und die zuvor vorgestellte CD von The Cardinall's Musick, 'Assumpta est Maria' mit Mariengesängen von William Byrd, die das Label Hyperion herausgebracht hat, ist über die Firma Codaex und im Internet erhältlich.
Am Mikrofon verabschiedet sich Rainer Baumgärtner.
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