Echowirkungen in der Musik, also einander antwortende Stimmen oder Instrumentalgruppen, sind eine typische musikalische Eigenart des 16. und 17. Jahrhunderts. Im 16. Jahrhundert noch hielten sich Komponisten eng an Vokalvorlagen für Instrumentalbearbeitungen, begannen sich aber zusehends von der Vokalmusik zu emanzipieren. Spätestens ab dem 17. Jahrhundert fanden Komponisten durch Verzicht auf Texte, die durch Strophen, Vokale und Reime die musikalische Textur noch bestimmt hätten, eine komplett neue Form, textlose Musik nach einer anderen, inneren Verständlichkeit. Ein wichtiges Strukturierungsmittel wurde das dialogisierende Alternieren zwischen Instrumentengruppen, „in risposta“, etwa durch die Bildung von Echos. Musikalisches Neuland! Die Einspielung Echo & Risposta von Les Cornets noirs huldigt diesen neuen kompositorischen Errungenschaften mit Musik der 20er- und 30er-Jahre des Seicento aus Italien und Deutschland.
Les Cornets noirs sind mit ihren beiden bekannten Zinkenisten Gebhard David und Bork-Frithjof Smith geradezu eine klangliche Offenbarung. Denn während man noch vor wenigen Jahrzehnten glaubte, sich mit Intonationsschwierigkeiten bestimmter Instrumente, zum Beispiel eben des Zinks, definitiv abfinden zu müssen, wirken heute glücklicherweise ganz andere Musikergenerationen im Bereich Alte Musik, die diesbezüglich nichts mehr anbrennen lassen: Nein, die Zinkenisten von Les Cornets noirs wie auch die anderen fabelhaften Musikerpersönlichkeiten an den Blasinstrumenten, Violinen und der Orgel artikulieren musikalisch absolut klar, formen die Musik und bleiben dabei sehr transparent und stets unaufdringlich virtuos. Ihre Musik ist in einen hervorragenden Klangteppich mit Surround Sound eingepackt. Alles in allem eine Ohrenweide erster Güte, die mit über 70 Minuten Einspielzeit dennoch kurzweilig bleibt.
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