Lieder von Josephine Lang
Verkümmertes Wunderkind
Die ganze Bandbreite romantischer Liedkunst ist hier zu erleben: leise Melancholie und lauter Liebesüberschwang, schwungvolle Synkopen und ersterbende Akkorde. Die Lieder stehen in nichts jenen nach, die mit berühmterem Namen gezeichnet sind als dem von Josephine Lang. Die Münchnerin, 1815 geboren, stammt aus einer einfachen, wenngleich musikalischen Familie und ist als Sängerin, Pianistin und Komponistin ein Wunderkind ohne allzu entschiedene Förderung durch den Vater. Dafür kümmert sich Felix Mendelssohn umso rührender um sie, spornt sie zu immer neuen musikalischen Taten an, warnt sie vor einer Karriere als Salonsensation.
Josephine Lang vertont Texte von Heine, Goethe und nicht zuletzt von ihrem Ehemann Christian Reinhold Köstlin, der sie 1856 als junge Witwe mit sechs Kindern zurücklässt. Da sitzt sie in Tübingen, sieht ihre Söhne sterben, unterrichtet die württembergischen Prinzen - unter anderem den späteren König Wilhelm 11. - am Pianoforte, komponiert fleißig weiter, ohne damit zu echtem Ruhm zu gelangen, und stirbt dortselbst im Jahre 1880.
Es ist ein Jammer, dass Josephine Langs Lieder heute unbekannt sind. Die in Stuttgart gebürtige Pianistin Heidi Kommerell hat sie ausgegraben und beim SWR gemeinsam mit der Sopranistin Heike Hallaschka weitere zwanzig davon aufgenommen. |