Christian Wildhagen (Fono Forum - 10/2002) 01.10.2002
"Wie sehen die Meisterwerke so berühmter Namen so winzig aus gegen diese frische Musik!" Hingerissen schwärmte Mendelssohn von den Liedern der Josephine Lang (1815-1890), die offenkundig zu den größten Begabungen seiner Epoche gehörte, deren Talent aber, wie so oft, in den Zwängen der Konvention zerrieben wurde. "Ihre Tonkunst mußte vielfach der Kochkunst weichen", vermerkte Ferdinand Hiller sarkastisch. Dennoch schrieb Josephine Lang zeitlebens Lieder, die ein reizvolles Amalgam aus den Stilen Mendelssohns und Schumanns bilden, ohne epigonal zu sein. Erfreulich, dass auch die beiden Interpretinnen dafür weit mehr zu bieten haben als missionarischen Eifer - ihnen ist diese Musik spürbar eine Herzensangelegenheit. Und das mit Recht.