Michael Stenger (Westdeutsche Allgemeine Zeitung - 10/2005) 13.01.2005
Über das Sendegebiet hinaus
Das WDR Sinfonieorchester Köln mit Saint-Saëns
Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks ist nicht nur der renommierte kulturelle Hauptrepräsentant seines Senders mit flächendeckender Musikarbeit im Lande. Es demonstriert auch seine internationale Konkurrenzfähigkeit mit CD-Produktionen.
Das macht weit über Kölns Grenzen hinaus bekannt und wird ja auch von den Rundfunkkollegen in Hamburg und München emsig betrieben. Jüngst ist eine interessante Gesamtaufnahmen erschienen, die – das muss man zunächst einfach sagen – klangtechnisch als Multichannel-Angebot so überragend ausgefallen ist, dass man staunen darf. Der mögliche Surround-Sound ist wirklich satt; das was das erstrangige WDR Sinfonieorchester leisten kann, wurde in transparenter wie plastischer Weise vom Aufnahmeteam eingefangen.
Mit dem Dirigenten Thomas Sanderling und der Pianistin Anna Malikova, die 1993 nach zwölf Jahren erstmals wieder einen ersten Preis für Klavier beim ARD-Musikwettbewerb erringen konnte, hat das WDR-Orchester die fünf Klavierkonzerte von Camille Saint-Saëns aufgenommen. Diese Werke zwischen Klassizismus und Experiment, zwischen Kolorit und Bravour sind eine echte Herausforderung. Und auch hier ist der Klang wirklich bemerkenswert aufgefächert.
Anna Malikova kann virtuos auftrumpfen, hat Sinn für den Elan dieser Musik, auch für ihre Süße, die ab und an wie ein vornehmes Parfüm herüberweht. Ihr gestalterisches Raffinement wird von Stilgefühl getragen. Und Sanderling versteht sich darauf, dem fabelhaften Orchester viel Funkelndes und Feines abzuverlangen. Das hat Format.