Dieses Geben und Nehmen, diese selige Entspannung und enorme Anspannung, diese plötzlichen, aber immer organisch wirkenden Tempo-Verschärfungen und Zurücknahmen: Wilhelm Furtwängler (1886-1954) darf nach wie vor als der spannendste Dirigent überhaupt gelten. Dem Label Audite ist nun eine Edition zu verdanken, die das noch einmal in exemplarischer Qualität deutlich macht. Die Mitschnitte von Konzerten, die Furtwängler nach seiner Rückkehr ans Pult der Berliner Philharmoniker in den Jahren 1947 bis 1954 vor allem im Berliner Titania-Palast dirigierte, sind zwar größtenteils nicht zum ersten Mal auf Tonträgern zu bestaunen – erstmals aber konnte man bei der digitalen Bearbeitung auf die Original-Tonbänder des Senders RIAS-Berlin zurückgreifen. Das klangliche Ergebnis ist restlos überzeugend. Das künstlerische ja sowieso.
Furtwänglers Dirigate wirken „live“ immer noch eine Spur faszinierender als im Studio. Und so erlebt man auf 12 CDs atemlos mit, wie er Symphonien von Beethoven, Schubert, Brahms und Hindemith, Ouvertüren von Schumann, Mendelssohn oder Weber, Imposantes von Wagner und Strauss, gemäßigt Modernes von Fortner oder Blacher in lauter sinfonische Fieberkurven verwandelt. Ein Highlight unter Höhepunkten? Bruckners Achte, vielleicht.
Und sogar „verboten“ romantisierte Barock-Werke, beispielsweise Bachs D-Dur-Suite, kennen umwerfende Momente. Bewegend wirkt die Rückkehr des jüdischen Violingroßmeisters Yehudi Menuhin ins selbstzerstörte Berlin – mit Beethovens Violinkonzert. Und zutiefst sympathisch, humorvoll und gelegentlich überraschend sprachlos erscheint die Aufzeichnung einer Diskussion Furtwänglers mit Studenten auf der Bonus-CD.
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