Reinhold Mann (Schwäbische Zeitung - 23. Juni 2009 - Nr. 141) 23.06.2009
Wilhelm Furtwängler wird immer wieder von gegenwärtigen Dirigenten als Leitfigur genannt, viele historische Tondokumente wurden schon zu Paketen zusammengestellt. Jetzt gibt es einen weiteren Schuber mit 13 CDs beim Label Audite. Das Label arbeitet mit Rundfunk-Material der Jahre 1947 bis 1954 aus dem Archiv des RIAS, des legendären amerikanischen Senders in Berlin.
Die Amerikaner hatten sich mit der Entnazifizierung Furtwänglers bekanntlich viel Zeit gelassen. Furtwänglers erstes Konzert vom Mai 1947, bei dem er seine Philharmoniker wieder dirigieren durfte, ist hier zu hören. Die Klangqualität ist, dank der Ausgangsbänder, überwiegend so gut, dass man etwas vom Oberflächenreiz spüren kann. Einige Aufnahmen sind schlicht besser als die Schallplattenaufnahmen, so Schuberts C-Dur Sinfonie. Bei der 4. Brahms-Sinfonie klingt bei jedem Ton eine emotionale Bindung mit. Ganz ähnlich durchlebt und gestaltet: Beethovens Eroica. Und die hier hörbare 8. Sinfonie von Bruckner zeigt einen wachen Sinn für die Abgründe.