Mit Mozarts Orgelwerken geht's etwa so wie mit Nessie, dem sagenhaften Bewohner von Loch Ness: Jeder wieß, dass es eigentlich nicht existiert, dennoch kommt in unregelmäßigen Abständen jamand, der es glaubt gesehen zu haben. Im Falle Mozarts haben wir zwei Mini-Nessies, die tatsächlich für eine "richtige" Orgel komponiert wurden: Zwei Versetten KV 154a, 27 und 25 Sekunden lang. Zu wenig für eine CD. So kratzt der mozartbegeisterte Organist zusammen, was sonst noch so im Umkreis mit mehr oder weniger Gewalt unter "Orgelmusik" eingemeindet werden kann. Das sind Flötenuhrstücke (sehr hübsch: Andante F-Dur KV 616) und die Automatenmusiken KV 594 und 608, die bekannten und wirklich lohnenden f-Moll-Fantasien. Bleiben noch Werke, "bei denen man eine Orgelfassung als tatsächliche oder ideelle Grundlage oder auch als Variante von in anderer Besetzung überlieferten Werken vermuten kann" (Booklet). Lohnendste Ergebnis solcher Spekulation ist die c-Moll-Fuge KV 426, für zwei Claviere und in Streicherfassung überliefert. Der Verweis auf Haselböcks Ausgabe von Orgelwerken samt Rekonstruktionen und Ergänzungen der Fragmente stützt, zusammen mit zeitgenössischen Transkriptionen, dieses hypothetische Verfahren. Ganz glücklich macht uns das letztlich dennoch nicht, es bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich: Zwar klingt die Metler-Orgel unter den Könner-Händen Martin Sanders vor allem in den leiseren Stücken vortrefflich und sozusagen mozartisch, bei kräftigeren Registrierungen (KV 426) wirken die herben Dissonanzen (in der Klavier- und Streicherfassung zwar kühn, aber hinnehmbar) doch arg scharfkantig. Wenn schon arrangiert, ergänzt und "vermutet" wird (was ja kein Verbrechen ist), dann sollte man mit besserem Erfolg als hier auch einzelne Sätze aus den Klaviersonaten und sonstigen Tastenkompositionen adadptieren. Hat man doch um 1800 sogar klassische Klavierkonzerte in süddeutsch-österreichischen Klöstern auf der Orgel musiziert, ohne sich um "musikwissenschaftliche Rechtfertigung" solchen Tuns allzu viel Sorgen zu machen! |