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2010-02-12
Start of the new Mandelring concert series in Berlin

The first concert of a set of three followed the motto „Vienna & Russia “: The program presented works by Haydn and Beethoven for Russian dedicatees and Tchaikovsky’s String Quartet No. 1. The concert was received with great enthusiasm as you can see e. g. in the concert review of the Berliner Zeitung (German)!
The next concert “Mirror of Biographies ” on April 11th will present works by Felix Mendelssohn Bartholdy, Leoš Janácek and Antonín Dvorák which all have a direct connection to the composer’s biography. Janácek’s quartet „Intimate Letters“ can be heard in the mostly unknown yet original version with viola d’amore (guest artist: Gunter Teuffel). The third concert “Turn of the Century ” on May 13th demonstrates different composition styles during the transition from romanticism to modernity: Classical by the sixteen year old Richard Strauss, expressive-late romantic by Heinrich Kaminski and impressionistic by Maurice Ravel. More information about the upcoming concerts here.

Concert review Berliner Zeitung 02/ 10/ 2010:

Das Publikum soll hören
Auftakt zum Konzertzyklus des Mandelring-Quartetts im Kammermusiksaal der Philharmonie
Matthias Nöther

Einem Streichquartett "Homogenität" zu bescheinigen, klingt nach einem musikkritischen Allgemeinplatz. Doch es ist schon auffällig, wie oft in Rezensionen des Mandelring-Quartetts von jener "Homogenität" die Rede ist. Geht es dabei um Klang? Um Zusammenspiel? Um Phrasierung? Wer das Konzert am Freitag im Kammermusiksaal gehört hat, weiß, dass dieses eher wolkige Attribut im Fall der Beethoven-, Haydn- und Tschaikowski-Interpretationen dieses Abends das Gehörte recht konkret zusammenfasst. Es umschreibt Klang, Zusammenspiel, Phrasierung, Balance in gleichem Maße - und damit eine bis zur letzten Note durch konzentrierte Einheitlichkeit überzeugende Musizierhaltung. Der Abend war der erste einer dreiteiligen Konzertreihe, die das Quartett in dieser Saison in Berlin absolvieren wird, ausgehend von den klassischen Grundsäulen der Quartett-Literatur, Haydns sogenanntem "Vogelquartett" aus Opus 33 und Beethovens drittem Rasumowsky-Quartett, die hier zunächst erklangen. In Josef Haydns Quartetten Opus 33 ist Homogenität die kompositorische Idee. Vielleicht ist sie das, was der Komponist mit der "ganz neuen besonderen Art" dieser Werke meinte. Ganz sicher aber ist die ideelle Homogenität der Faktor, der diesen Zyklus zum Klassiker und Modell für alle spätere Quartettliteratur gemacht hat: das systematische Bändigen und Kanalisieren der Sturm-und-Drang-Affekte in vier gleichberechtigt durchgestaltete Stimmen - Affekte, wie sie noch in Haydns vorigem Quartett-Zyklus Opus 20 ungefiltert überschossen. Die Spieler des Mandelring-Quartetts vertreten diese Idee von Beginn an mit reiner und unaufdringlicher Klarheit. Für das erste Thema, mit schwebenden Portato-Achteln begleitet von der Sekundgeigerin Nanette Schmidt und dem Bratscher Roland Gassl, benutzt Sebastian Schmidt an der ersten Violine seinen Bogen mit erstaunlicher Ökonomie und entwickelt dennoch einen vollen Ton mit mannigfaltigen dynamischen Abstufungen. Von der klanglichen Ebenmäßigkeit dieses Quartettsatzes profitiert auch der dunkle sotto-voce-Beginn des zweiten Satzes, und von dieser Klangbasis können die gegensätzlich spitzen Vogelimitationen der Geigen sich ohne weiteres abheben.

Nichts klappert
Das erste Streichquartett von Peter Tschaikowski hat trotz des hochromantischen Gestus viel gemein mit der konstruktiven Homogenität Haydns. Zwar drohen Tschaikowskis expressive Gesten, insbesondere in den Stürmen des Finales, die beachtliche Geschlossenheit der Mandelrings öfter zu sprengen. Doch das, was Tschaikowski in seinem frühen Werk nach außen kehrt, ist nicht die Expression, sondern die von Haydn erfundene konstruktive Ökonomie: Konstruktion ist für Tschaikowski nichts Esoterisches; das Publikum soll hören, wie er aus einem durchgehaltenen Ostinato-Rhythmus seine gesamte Themenpalette entwickelt. Stärker noch als bei Haydn gewinnt man eine Ahnung, mit welcher Disziplin das Quartett sein präzises Zusammenspiel erarbeitet hat: Kein gemeinsames Pizzicato, das klappert, kein Verlust des Grundpulses bei den Rubati unter dem herrlichen Violinsolo des zweiten Satzes. Etwaiges Ausbrechen aus der Homogenität ist genau organisiert. Das gilt auch für die Anfangsakkorde von Beethovens Rasumowski-Quartett, die hier im fahlen non vibrato ertönen, während man sie traditionell mit mystischer Schwere wie bei einer Brucknerschen Einleitung versieht. Beethovens teils gespenstische, teils skurrile Motive, wie im Andante die Pizzicati vom Cello Bernhard Schmidts, unterstreicht die Mandelring-Formation nicht, sondern kanalisiert sie in klassisches Ebenmaß - Handwerk und Klangsinn werden hier zur Basis für große Quartettkunst.

Kammermusiksaal: 11. 4., 20 Uhr - Mendelssohn, Dvorak, Janacek. 13. 5., 20 Uhr - Strauss, Ravel, Kaminski


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